Jugoslawischer Pavillon, 13. Triennale, Mailand, 1964

Der jugoslawische Pavillon auf der 13. Mailänder Triennale 1964 wurde von Vjenceslav Richter (1917–2002) entworfen. Der kroatischen Architekt hatte sich bereits mit der Gestaltung von Ausstellungspavillons im In- und Ausland einen Namen gemacht.
Der Semiotiker Umberto Eco und der Architekt Vittorio Gregotti waren die Kuratoren dieser Triennale, die ganz im Zeichen des Themas ,Freizeit‘ stand. Der jugoslawische Pavillon zeichnete sich durch eine dichte dreidimensionales Gitterstruktur aus, die aus einem einzigen Element konstruiert war: vertikal und horizontal angeordneten Holzbalken mit einem Querschnitt von sechs mal acht Zentimetern. So entstanden Lattenwände, mit denen Richter bereits 1953 bei der Ausstellung jugoswlawischer Keramikkunst in London experimentiert hatte. Die Wände unterteilten den Raum in lichtdurchflutete Einheiten und erzeugten einen einzigartigen Rhythmus. Während man sich durch den Pavillon bewegte, veränderte sich der Charakter des Raums. Denselben kinetischen Effekt erzielten die Fotos – als einzige Ausstellungsstücke des Pavillons –, die zerschnitten und auf die Lamellen aufgebracht wurden. So konnten die Bilder nur aus bestimmten Perspektiven gelesen werden und verschwanden, wenn sich der Betrachter näherte oder entfernte. Richter gelang einmal mehr eine künstlerische Synthese: Wichtiger als einzelne Exponate waren Raumkonzeption und Gesamtwirkung.
Kritiker lobten den Pavillon als einen wichtigen Beitrag zur ,Offenen Form‘ in der Architektur. Obwohl er sich physisch nicht wandelte, bot dieser Raum eine dynamische, sich ständig verändernde Erscheinung, die die Wahrnehmung des Betrachters unmittelbar herausforderte.

Mari Laanemets
Jugoslawischer Pavillon, 13. Triennale, Mailand, 1964
Jugoslawischer Pavillon, 13. Triennale Mailand, 1961, Vjenceslav Richter, Museum für zeitgenössische Kunst, Zagreb
Jugoslawischer Pavillon, 13. Triennale Mailand, 1961, Vjenceslav Richter, Museum für zeitgenössische Kunst, Zagreb
Jugoslawischer Pavillon, 13. Triennale Mailand, 1961, Vjenceslav Richter, Museum für zeitgenössische Kunst, Zagreb