Jewgeni Rosenblums ,Offene Form’
Das Zentrale Bildungs- und Versuchsstudio ,Senezh‘ wurde 1964 unter Schirmherrschaft des Künstlerverbandes gegründet. Eine wesentliche Methode, die im ,Senezh‘ entwickelt wurde, war die der Offenen Form. In Anlehnung an Oskar Hansens Open-Form-Konzept führte Jewgeni Rosenblum, der Gründer des Studios und dessen wichtigster Theoretiker und Pädagoge, sein eigenes Konzept der Offenen Form in die Bereiche Design und Architektur ein. Rosenblum (1919-2000) ermutigte Gestalter:innen, die Beschränkungen standardisierter Objekte und die White-Cube-Räume der Moderne durch einen offeneren Ansatz zu überwinden. Er war davon überzeugt, dass die Visualisierung innerer Strukturen von Objekten die Entwicklung von Designlösungen erleichtert, bei denen die menschliche Erfahrung im Vordergrund steht.
Mit ,Open Form‘ versuchte Rosenblum, eine Methode zu etablieren, die eine gleichzeitige Entwicklung technischer und ästhetisch-kreativer Aspekte des Werks ermöglichen sollte. Im Gegensatz zu der modernistischen Auffassung, dass man die Vergangenheit zerstören müsse, plädierte Rosenblum für offene Strukturen, die sich um bestehende historische Formen herum aufbauen ließen oder einfach mit diesen kombinierbar wären – sowohl in der Umweltgestaltung als auch im Produktdesign. Anstatt sich auf monofunktionales Design zu konzentrieren, sollten Designer:innen vielseitige Objektsysteme entwerfen, die man leicht an individuelle Bedürfnisse anpassen könne. Aus dieser Perspektive würden die Nutzer zu Mitgestaltenden – und der Designprozess unendlich ‚offener‘.