9. ICSID-Kongress, Moskau, 1975

1965 wurde das Allunions-Forschungsinstitut für technische Ästhetik WNIITE Mitglied des International Council of Societies of Industrial Design ICSID. Juri Solowjow, Gründer und Direktor des WNIITE, wurde dreimal zum Vizepräsidenten des ICSID gewählt und war von 1977 bis 1980 dessen Präsident. Infolge seiner Bemühungen wurde Moskau Gastgeberstadt des 9. ICSID-Kongresses, der somit erstmals in einem sozialistischen Land stattfand.
700 sowjetische Teilnehmende und 757 internationale Gäste aus 32 Ländern kamen nach Moskau. Das Thema ,Mensch, Design und Gesellschaft‘ sollte die Rolle der sozialistischen Ideale als wichtigste Triebkraft des sowjetischen Designs unterstreichen. Dieses Konzept spiegelte sich im leichten und flexiblen Pappmobiliar, den Konferenzartikeln und einer dynamischen visuellen Identität wider, die das WNIITE-Team, darunter Wiktor Zenkow, Alexander Jermolajew, Jewgeni Bogdanow, Igor Berezovsky und Elena Chernevich, entworfen hatte.
Die Ausstattung im Foyer des Rossiya-Hotels, dem Veranstaltungsort des Kongresses, bestand aus temporären Arrangements von Sitzgruppen auf einem grauen Filzteppich. Dies stand im Kontrast zur Monumentalität der Hotelräume und ermöglichte spontane Begegnungen zwischen den Veranstaltungen sowie Filmvorführungen und Diashows. Die strenge staatliche Zensur verhinderte viele innovative Entwürfe, zum Teil wurden vorbereitete Berichte und Präsentationen nur wenige Tage vor dem Kongress nicht mehr genehmigt. Die gesamte Abteilung für Designtheorie des WNIITE wurde nach dem Kongress aufgelöst.

Alyona Sokolnikova