Ermutigung mit der ,Offenen Form‘. Die menschliche Vorstellungskraft gestalten
Oskar Hansen (1922–2005) war Architekt, Teresa Kruszewska (1927–2014) Innenarchitektin und Möbeldesignerin. Beide waren in verschiedenen Bereich tätig und haben nie zusammengearbeitet. Wir haben uns dennoch entschieden, ihre Werke zusammen auszustellen, weil so die wesentlichen Merkmale beider Entwurfshaltungen besonders deutlich werden.
,Appratus II–2′ ist eine der Versuchsanordnungen, die Hansen für die Arbeit in der Lehre entwickelte. Mit verschiedenen Übungsgeräten wie diesem trainierte Hansen das räumliche Vorstellungsvermögen seiner Studierenden. Die Fotografien und Entwürfe zeigen Wohnanlagen mit Grünflächen, Spielplätzen und gemeinschaftlichen Außenbereichen, die Hansens Konzept der ‚Offenen Form‘ und des ‚Konstanten Linearen Systems‘ folgten. Demnach sollte den Anlagen eine flexible, dauerhaft unbestimmte Struktur zugrunde liegen. Damit eröffnete der Architekt Gestaltungsspielräume nicht nur für die damaligen Nutzer:innen, sondern auch für spätere Generationen, deren Bedürfnisse sich durch den gesellschaftlichen Wandel möglicherweise verändern würden.
Kruszewskas Entwürfe verbinden die Didaktik des Apparatus mit dem Gebrauchsaspekt der architektonischen Arbeiten Hansens. Kindern lernen, Räume wahrzunehmen, indem sie Grundelemente in einer offenen und variablen Form anordnen. So können diese auf vielfältige Weise zusammengesetzt und verwendet werden – als Stühle und Tische für Mahlzeiten oder zum Malen, als Tunnel und Türme zum Spielen. Sowohl die Spielmöbel wie auch der ,Ball‘ haben keine fest vorgegebene Funktion; alles entsteht durch die momentanen Bedürfnisse und spontanen Einfälle der Kinder.
Beide, Hansen und Kruszewska, wollten die menschliche Vorstellungskraft fördern, indem sie variable Anordnungen elementarer Formen im Raum anregten. Die offenen Formen überließen den Nutzer:innen die Entscheidungsfreiheit über die Gestaltung ihrer räumlichen Umgebung.
Länder: Polen
Tags: Architektur, Material, Produktdesign, Systemdesign